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Sportbrille: Schutz der Augen beim Training

Welche Brille ist für welchen Sport geeignet? Welchen Anforderungen müssen Fassungen und Gläser gerecht werden? Was Sie beim Kauf beachten müssen
von Simone Herzner, 23.04.2012

Wichtig: Beim Sport auch die Augen mit einer Sportbrillen schützen

Stockbyte/RYF

Wer schlecht sieht, braucht eine Brille oder Kontaktlinsen, das ist klar. Auch der Sinn von Sonnenbrillen ist unumstritten: Sie schützen das Auge vor zu großer Helligkeit und schädlicher UV-Strahlung – und haben sich darüber hinaus zum schicken Accessoire für Modebewusste gemausert. Aber Sportbrillen? Von ihrem Nutzen sind längst nicht alle Menschen überzeugt, die Sport treiben. Sollten sie aber. Sportbrillen sind alles andere als teurer, unnötiger Luxus. Sie haben die wichtige Aufgabe, das Auge beim Sport vor Verletzungen zu bewahren.

Zu wenige Menschen tragen beim Sport eine Brille

Augenärzte und Optiker kritisieren, dass viel zu wenige Menschen beim Training eine Sportbrille tragen. Die Folge sind teils schwere Augenverletzungen bis hin zur Erblindung. "Statistisch gesehen betreffen von allen Sportverletzungen etwa ein Prozent die Augen. Ein Drittel dieser Augenverletzungen ist mittelschwer bis schwer, zwischen sieben und zwölf Prozent führen je nach Sportart zur Erblindung", sagt Augenarzt Dr. Dieter Schnell, Leiter des Ressorts Sportaugenheilkunde im Berufsverband der Augenärzte Deutschlands und Direktor der Akademie für Weiter- und Fortbildung in der Sportmedizin zu Köln.

Vor allem bei Kontaktsportarten – darunter fallen sämtliche Ball-, Mannschafts- und Kampfsportarten – ist die Verletzungsgefahr hoch. Da grenzt es an Ironie, dass sogar Menschen, die im Alltag eine Brille tragen, beim Training auf ihre Sehhilfe verzichten: "Etwa 25 bis 30 Prozent der fehlsichtigen Sportler treiben ihren Sport ohne die notwendige Korrektur, weil sie diese irrtümlicherweise für unnötig, störend oder gefährlich halten", erläutert Schnell. Ein Trugschluss: Studien haben bewiesen, dass eine optimale Sehschärfe beim Training nicht nur vor Verletzungen schützt, sondern auch die Koordinations- und Leistungsfähigkeit steigert.

Welche Brille für welchen Sport?

"Viele meiner Kunden glauben, dass sie mit einer Sportbrille alle Sportarten ausüben könnten", sagt Optikermeisterin Katja Grimme, die sich in ihrem Dortmunder Geschäft auf Sportbrillen spezialisiert hat. Ganz so einfach ist es nicht. Die grundlegende Frage lautet: Handelt es sich um eine Sportart drinnen oder im Freien?

  • Brillen für Indoor-Sportarten haben unzerbrechliche, ungetönte Gläser und müssen schlag- und stoßfest sein, möglichst mit einem Nasen- und Seitenschutz sowie einem Kopfband für sicheren Halt.
  • Outdoor-Brillen sehen oft ganz anders aus, da sie das Auge zusätzlich vor Sonne und Wind schützen. Sie haben größere, getönte Gläser und ein ergonomisch geformtes Gestell für einen optimalen Windschutz. Bei hochwertigen Outdoor-Brillen lassen sich die Gläser austauschen. Dunkle Gläser bei greller Sonne, kontraststeigernde orangefarbene Gläser bei trüben Lichtverhältnissen, zum Beispiel beim Skifahren. "Bei Ski- und Fahrradbrillen kommt es außerdem darauf an, dass das Gestell unter dem Helm nicht drückt", so Grimme. Ihr Tipp: Den Helm zum Brillenkauf mitbringen.

Kriterien für eine gute Sportbrille

Egal, ob unter freiem Himmel oder in der Halle: Eine gute Sportbrille muss in allen Teilen stabil und bruchsicher sein. Gestelle aus Metall sind tabu. Die Sportbrille darf keine scharfen Kanten haben und sollte nicht zu groß sein, ohne dabei das Blickfeld einzuschränken. "Die Fassung darf nicht splittern und sollte so groß sein und so hoch sitzen, dass sie sich bei einem frontalen Aufprall an den knöchernen Rändern der Augenhöhle abstützt, damit das Auge nicht geprellt wird", erklärt Dieter Schnell. Die Innenseite der Gläsereinfassung sollte zudem höher als die Außenseite sein, damit die Scheiben im Ernstfall nicht nach innen, sondern höchstens nach außen herausfallen.

Die Gläser müssen aus unzerbrechlichem Spezialglas, Kunststoff oder Polycarbonat bestehen und sollten nach außen gewölbt sein – auch das vermeidet Verletzungen im Falle eines Aufpralls.

Sportbrillen mit Sehhilfe

Es gibt zwei Möglichkeiten, eine Augenkorrektur in eine Sportbrille einzuarbeiten: Innenclips oder eine Komplettverglasung. Letztere funktioniert je nach Schwere der Fehlsichtigkeit nicht bei jeder Fassung: In stark gewölbte oder sehr große Gestelle können teilweise keine geschliffenen Gläser eingesetzt werden.

Bei Innenclips werden optische Gläser von innen in die Sportbrille eingesetzt. Sie sind preislich meist günstiger als eine Komplettverglasung und haben außerdem den Vorteil, dass der Träger die Form des Gestells und die Farbe der Außengläser flexibel wählen kann. Vorteil Nummer zwei: Innenclips gibt es für jede Art von Fehlsichtigkeit, während eine Komplettverglasung nur zur Korrektur von maximal vier bis sechs Dioptrien (sowohl Kurz- als auch Weitsichtigkeit) möglich ist. "Über sechs Dioptrien werden die Gläser zu schwer und zu dick für eine Sportbrille", erklärt Optikerin Grimme. Der Nachteil von Innenclips: Bei Sportbrillen mit ungetönten Gläsern ist der Clip durch das Außenglas hindurch erkennbar, was nicht ganz so schön und modisch aussieht. "Für viele Menschen sind auch vom Fachmann angepasste Kontaktlinsen in Kombination mit einer Sportbrille empfehlenswert", rät Schnell.

Sportbrillen für Kinder

Für Kinder ist der Schutz der Augen beim Sport besonders wichtig. "Ich setze mich dafür ein, dass selbst Kinder, die gut sehen, bei gefährlichen Sportarten eine Schutzbrille tragen", sagt der Augenarzt. Die Unfallzahlen geben ihm Recht: Bei einer im Jahr 2003 erhobenen Statistik wurden allein beim Schulsport etwa 640.000 meldepflichtige Unfälle registriert. 86.000 davon waren Kopfverletzungen, darunter 12.600 Augenverletzungen. Die beiden häufigsten Ursachen der Verletzungen am Auge: der Zusammenstoß mit anderen Schülern (28 Prozent) und das harte Auftreffen eines Balls im Gesicht (25 Prozent). "Die Zunahme der Augenverletzungen beim Schulsport ist in zehn Jahren um 42 Prozent gestiegen", warnt Schnell.

Anders als oft vermutet, sind die bei Kindern beliebten, in alle Richtungen biegsamen Titanflexbrillen nicht für den Sport geeignet, da sie nicht stoßfest sind und sich bei einem harten Aufprall gefährlich in das Gesicht drücken sowie die Augen verletzen können.

Neben den Augen ist die Nase ein bei Kindern besonders empfindlicher Körperteil, weil sie noch nicht knöchern, sondern knorpelig ist. "Eine Verletzung der kindlichen Nasenknorpel heilt viel schlechter und kann dazu führen, dass sich die Naseknorpel nicht normal entwickeln", erklärt der Augenarzt. Darum müssen Sportbrillen für Kinder eine besonders gut gepolsterte Nasenauflage haben. Darüber hinaus gelten selbstverständlich alle Kriterien, die auch Sportbrillen für Erwachsene erfüllen sollten (siehe oben).

Tipp: Gesetzliche Krankenkassen übernehmen bei Kindern unter 18 Jahren die Kosten für die Gläser einer Sportbrille (neben den Gläserkosten für die Alltagsbrille), so dass Eltern nur das Gestell aus eigener Tasche zahlen müssen. Sportbrillen für Erwachsene werden nicht bezuschusst. Qualitätsbrillen gibt es aber bereits für deutlich unter 100 Euro – eine lohnende Investition in die Gesundheit Ihrer Augen.



Bildnachweis: Stockbyte/RYF

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